03.10.2018 21:00 Von: W. Terwolbeck

Johannes Benkhoff und die Merkur-Mission

Geophysiker Johannes Benkhoff aus Ahaus ist einer der führenden Esa-Wissenschaftler der „Bepi-Colombo“-Mission zum Merkur. Er weiß um die Herausforderungen des Projekts. (MLZ 03.10.18)


Johannes Benkhoff FOTO esa

Ende September fügten Esa-Ingenieure die beiden Orbiter und die Merkur-Sonde zusammen. FOTO (2) ESA

Ahaus/Noordwijk Von Christian Bödding Esa-Astronaut und Geophysiker „Astro-Alex“ (Alexander Gerst) ist weltweit bekannt. Esa-Geophysiker Johannes Benkhoff aus Ahaus arbeitet mehr im Verborgenen. Dabei sind beide für die Europäische Weltraumagentur Esa tätig. Während Alexander Gerst die Internationale Raumstation ISS kommandiert, obliegt Johannes Benkhoff eine nicht minder wichtige Aufgabe. Er ist einer der führenden Wissenschaftler der Esa-Mission zum Merkur und hat das wissenschaftliche Kommando. Dabei handelt es sich um ein europäisch-japanisches Gemeinschaftsprojekt zum kleinsten Planeten unseres Sonnensystems. Ende Oktober soll die Raumsonde „Bepi-Colombo“ zum Merkur fliegen. Johannes Benkhoff wird den Start der Ariane-Trägerrakete live vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana verfolgen.

Zielstrebig verfolgte der 57 Jahre alte gebürtige Ahauser auch seinen Berufsweg. Nach dem Abitur am Alexander-Hegius-Gymnasium – mit glänzenden Noten in Physik und Mathematik – studierte er an der Uni Münster Geophysik. „Ich hatte einen Physiklehrer, der mich für das Fach begeisterte“, erzählt Johannes Benkhoff am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion. „Das gab den Ausschlag fürs Studium.“ Mitte der 80er-Jahre bekam er einen Job als studentische Hilfskraft am damals neu gegründeten Institut für Planetenphysik. Der Grundstein für die Karriere war gelegt. Seit ungefähr zwölf Jahren arbeitet Johannes Benkhoff für die Europäische Weltraumagentur Esa. Aktuell ist er in Noordwijk in den Niederlanden tätig, dort steht das Technologiezentrum der Esa. Seinen Wohnsitz hat er in Den Haag. „Unser Ziel ist es, dass wir verstehen wollen, wie wir selbst entstanden sind“, umreißt Johannes Benkhoff die Bepi-Colombo-Mission. Benannt ist sie nach einem italienischen Wissenschaftler, der in den 70er-Jahren an der „Mariner 10“-Mission der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa maßgeblich beteiligt war. „Wenn man wissen will, wie wir entstanden sind, muss man sich nicht nur die Erde anschauen, sondern auch die Planeten und die Sonne. Dabei wurde Merkur ein wenig vergessen“, sagt Johannes Benkhoff. Dabei sei gerade der Merkur ein wichtiger Bestandteil unseres Sonnensystems, „weil er nah an der Sonne ist und ein Magnetfeld wie die Erde hat.“

Die Europäer schicken nun also eine Sonde auf die Reise zum Merkur. Genauer gesagt, eine Sonde, die zwei Orbiter erhält – einen europäischen Orbiter und einen Orbiter der japanischen Partnerorganisation Jaxa. Johannes Benkhoff: „Der bei uns gebaute Orbiter ist mehr dafür gedacht, den Planeten zu fotografieren und zu charakterisieren. Wir wollen feststellen, welche Mineralien es auf der Oberfläche gibt, ob Vulkanismus vorhanden ist und wie die Temperaturen sind.“ Die Japaner kümmern sich mehr um die Exosphäre und studieren, wie die Strahlung der Sonne mit dem Magnetfeld des Merkur interagiert. Die Erforschung des Merkur ist schwierig. Das hat vielerlei Gründe. „Merkur kann zum Beispiel mit manchen großen Teleskopen nicht beobachtet werden, weil er zu nah an der Sonne ist“, nennt Johannes Benkhoff einen Grund. Hinzu kommt, dass die Temperaturen dort zwischen 180 Grad und 430 Grad Celsius schwanken. Das stellt besondere Anforderungen an den Hitzeschutz. „Merkur ist auch sehr schwer zu erreichen, weil man sehr viel Energie verbraucht“, nennt der Geophysiker einen weiteren Grund. „Man muss gegen die Anziehungskraft der Sonne bremsen. Dafür braucht man extrem viel Energie. Aber wir können nicht so viel Treibstoff tanken, wie wir bräuchten.“

Deshalb bedient sich die 6,40 Meter hohe und vier Tonnen schwere Sonde auf ihrer Reise der sogenannten Swing-by-Technik. Bepi-Colombo holt auf der Flugroute mehrmals Schwung an der Erde, der Venus und dem Merkur, um der gewaltigen Anziehungskraft der Sonne zu entkommen und eine sichere Umlaufbahn um den Planeten zu erreichen. Dieser komplizierte Weg zum Merkur dauert über sieben Jahre und ist mit fast neun Milliarden Kilometern hundertmal länger als der direkte Weg.

Anfang 2026 soll „Bepi-Colombo“ die Arbeit aufnehmen. „Bis dahin ist noch einiges vorzubereiten“, erklärt Johannes Benkhoff und nennt beispielhaft die Stromversorgung und die Datenübertragung. Schließlich sollen die Instrumente in den Orbitern reibungslos funktionieren, wenn sie eingeschaltet werden.

Die Esa hat diese Instrumente nicht selber gebaut. „Sie kommen zum Beispiel von Universitäten und aus vielen verschiedenen Ländern.“ Zu Johannes Benkhoffs Aufgaben zählt, die Interessen der jeweiligen Kunden mit den Aufgaben der Sonde in Einklang zu bringen. „Da gibt es viel Reibung, die man rausnehmen muss, um zu einem guten Ergebnis zu kommen“, sagt er. Es gelte unter anderem sicherzustellen, dass jedes Instrument auch die Beobachtungszeit bekomme, die es benötige. Dazu gehört auch, dass die Triebwerke der Sonde keine Teilchen ausspucken, die die Messungen gefährden. Seit über 20 Jahren wird schon an der „Bepi-Colombo“-Mission gearbeitet, die Missionsdauer ist nach dem Erreichen der Merkur-Umlaufbahn auf zunächst ein Jahr veranschlagt. Trotz all der Arbeit findet Johannes Benkhoff aber noch Zeit, seine Eltern und seine Schwiegermutter in Ahaus zu besuchen. „Ich bin fast alle vier Wochen für einen Kurzbesuch in der Stadt.“